Reparatur eines Amiga 4000 D

Auch für gute Bekannte im a1k.org Forum mache ich schon mal die an oder andere Reparatur. So auch dieses mal, wo sich ein besorgter Amiga User mit Problemen gemeldet hat, das sein A4000 D etwas zickt. Das zicken ist darauf bezogen, das er manchmal etwas instabil läuft und vor allem auch mal überprüft werden sollte -> Stichwort Elkos und Akkuschaden.
Nach dem Erhalt des Rechners ging es also nun darum, den Fehler zu finden bzw. die Kiste wieder stabil ans laufen zu bekommen. Ich habe mich also der Sache mal angenommen um die Probleme dieses A4000 ausfindigt zu machen.

Ausgangszustand:

Prinzipiell funktioniert er, Speicher (2 MB ChipRAM und 16 MB FastRAM) werden komplett erkannt, Maus funktioniert und ebenso der Ton. Grundsätzlich also schon mal eine gute Basis für eine Reparatur im weitesten Sinne. Wie auf den Bildern unten dargestellt, sind die auslaufenden Elkos sowie ein Leiterbahnschaden durch einen nicht richtig behandelten Elkoschaden durchaus sichtbar.

Akku Schaden

Trotz entferntem Akkus, ist dieser mal ausgelaufen und hat sich trotzdem ein Denkmal gesetzt.

Akku Schaden

Sehr gut hier zu erkennen, die Widerstände sind angegriffen, zwei Leiterbahnen unter dem HCT174 sind angefault. Das hilft alles nix, die müssen neu gemacht werden.

Akku Schaden

Hier noch aus einer anderen Perspektive, aber es ist sehr gut der Grünspan zu erkennen

auslaufende Elkos

Der Audio Bereich. Auch hier sind die Elkos teilweise schon stark am auslaufen. Aber glücklicherweise noch alles im Rahmen

auslaufende Elkos

Staub und auslaufende Elkos, sind auch für einen Amiga kein Garant für Zuverlässigkeit

auslaufende Elkos

Anfangsstadium, aber  die Lötpins werden grau, es geht also auch hier los.

auslaufende Elkos

Warum sollte es hier besser sein als woanders?

dreckiges Gehäuse

Das mit dem Gilb ist ja nicht so tragisch, aber der Dreck macht einen A4000D immer schnell sehr unansehnlich, eben weil er von natur aus weiß ist.

dreckiges Gehäuse

Was soll das denn?

Nach einer groben Reinigung des Baords und einer kleinen Übersicht was denn alles so verbaut ist, stieß ich auf etwas merkwürdiges. Bei den Quarzen passt etwas gar nicht. Der U154 (28,37516 MHz) ist der normale PAL Qaurz, wie er auch sein soll, aber der U104 (53,2034 MHz) gehört da echt nicht rein! Normalerweise sitzt dort ein 50MHz Quarz. Dieser bestimmt den Takt für einige Chips und den Zorro Bus. Im Normalfall geteilt durch 2, also regulär auf 25 MHz, bei dem hier komme ich auf 26,6 MHz. Dies ist jetzt zwar nicht die Welt, aber kann durchaus die Ursache für eine Übertaktung einiger Bauteile und damit für Instabilität sein. Werde das mal gegen einen 50MHz Quarz tauschen.


Arbeitsschritte:

- reinigen der Tastatur
Die Tastatur bot sich in einem funktionalen aber sehr dreckigem Zustand an. Da der Rechner ja noch ein paar Jährchen Freude bereiten soll, habe ich nach meinem patentiertem Reinigungsrezept mal die Tastatur sauber gemacht. Hier mal ein paar Bilder VOR der Reinigung:

dreckige Tastatur

dreckige Tastatur

dreckige Tastatur

...und so sah es nach der Reinigung aus:

saubere Tastatur

saubere Tastatur

saubere Tastatur

Ja, es ist die gleiche Tastatur! Was so ein kleines Reinigungsbad so ausmachen kann.

- Auslöten der alten Elkos
Damit auch die neuen Elkos Platz haben, muss der alte Kram erstmal runter. Am einfachsten geht das mittels einer Lötpinzette (die ich nicht habe) oder aber man nimmer zwei Lötkolben. Erst die schon angegriffenen Lötpads nochmal mit etwas frischen Lot wieder nutzbar machen (wenn Elkos ausgelaufen sind merkt man es spätestens jetzt, wenn es nach Fisch stinkt, was es ordentlich tat) und dann schön mit beiden Spitzen die Pads erhitzen nach wenigen Sekunden sind die auch schon runter. Am Ende sollte es dann so aussehen:

Platz für neue Elkos

Die alten Elkos sind runter und nach einer Reinigung der Baustelle, damit der Schnodder runter ist können die neuen Elkos dann drauf gesetzt werden.

saubere Tastatur

Der unbehandelte Akkuschaden wurde auch gleich gemacht, der 74HCT174 sowie die Widerstände wurden runter genommen, die vermoderten Leiterbahnen müssen noch gesäubert werden.

saubere Tastatur

Nach einer Reinigung mit einem Glasfaserstift und der anschließenden Reinigung mit Leiterplattenreiniger sieht das ganze schon mal viel besser aus. Die Leiterbahnen sind nicht beschädigt und noch intakt. Was für ein Glück. Anschließend können diese wieder mit Klarlack versiegelt werden.

saubere Tastatur

Nach dem alles repariert wurde, der erste Probelauf. Natürlich funktioniert alles wie gewünscht.

saubere Tastatur

Hier nach der Instandsetzung. Die neuen Elkos sind drauf und sehen auch noch gut aus.

saubere Tastatur

Auch hier ist wieder alles im grünen Bereich. Neuer Chip und Widerstände sind drauf. Alles schön!

saubere Tastatur

Neuer Elko und die CPU Karte ist auch wieder eingesetzt.

saubere Tastatur

Bei der Gelegenheit auch gleich mal alle Schrauben reingemacht. Das Board war u.a. auch nur mit einer Schraube befestigt. Fehlerquelle!

saubere Tastatur

CD-ROM ist jetzt auch richtig am Tandem Kontroller angeschlossen, nur noch Treiber drauf und dann geht auch das.

saubere Tastatur

Damit auch die Audioausgabe funktioniert, das Kabel auch gleich dran gemacht. Wenn schon dann alles!

saubere Tastatur

Finaler Test, alles installiert und sieht auch wieder richtig Schick aus das Kistchen!

saubere Tastatur

Alles da, alles klar! CD-ROM Installiert, Speicher i.O., Maus, Ton, alles klar!

saubere Tastatur

Dann kann das gute Stück ja wieder zurück zu seinem Besitzer! Viel Spaß damit noch!