Bleichen von Kunststoffteilen


Jeder Besitzer einens klassischen, bzw. eines älteren Computers, wird schon öfter vor der Situation gestanden haben, das dieser gelb und unansehnlich wurde.
Dafür gibt es verschiedene Gründe und Lösungen, die wir uns nun mal näher betrachten wollen und natürlich auch eine Lösung dazu anbieten wollen. Schließlich muss ein alter Computer nicht alt aussehen.

1. Problem: normaler Schmutz


Nun, was ist "normaler" Schmutz?
Durch den Kontakt mit der Umwelt, bleibt es nun mal nicht aus, das Sachen verstauben, und besonders Kunststoffteile, welche beim Computer meist beige sind, Schmutzränder bekommen von häufigen anfassen. Diese Mischung aus Staub und Fett wirkt meist sehr sehr unansehnlich, ist aber wahrlich nichts schlimmes. Dieser Dreck lässt sich mit einem guten Haushaltsreiniger (natürlich nach Anleitung mit Wasser verdünnt) schon recht ordentlich entfernen. Hartnäckiger Schmutz kann auch mit ein wenig Ethanol oder Isopropanol (aus der Apotheke) und einem weichen Tuch gut abwischen.
Damit erreicht man schon sehr ordentliche Ergebnisse. Aber:

Was ist mit dem Gelben Schimmer?

2. Problem: Gilb!


Man muss zuerst man unterscheiden zwischen zwei Arten von Gilb:
Der erste ist der Nikotin Gilb, wie er häufig bei Raucher Rechnern vorhanden ist. Diese unschöne Verfärbung läßt sich mit dem Einsatz von reinem hochprozentigem Ethanol und einem Weichen Tuch und etwas kräftigerem wischen entfernen. Ist zwar etwas Arbeit, aber durchaus wegzubekommen.

Die zweite Art von Gilb entsteht durch Sonneneinstrahlung, oft gut daran zu erkennen, das er nur Stellenweise auftritt und meist an stellen, wo Licht hinkommen kann. Anbei mal ein Beispiel einer Taste, welche schön sichtbar vergilbt ist:
vergilbte Taste vergilbte Taste vergilbte Taste
So kann unter anderem Gilb aussehen. natürlich nicht sonderlich ansehnlich, aber das schlimme ist, dieser Gilb geht nicht mehr weg!
Der Grund ist folgender, und gilt in erster Linie jetzt mal für unsere Amiga Rechner und dessen Zubehör, der verwendete Kunststoff ist nun mal nicht reinweiß, sondern ein gefärbter Kunststoff in einer leicht beigen Farbe. Durch das Sonnenlicht, wird diese Farbe, besser die Farbpartikel, im Kunststoff zerstört und was dann übrig bleibt, ist die ursprüngliche Farbe des Kunststoff, eben dieses hässliche Gelb. Die Farbpartikel werden durch die UV Strahlung der Sonne zerstört, also ein Tipp für die Zukunft, nicht den Rechner direkt am Fenster stehen haben.

Was aber nun, wenn es so gesehen schon zu spät ist, und der Rechner oder die Teile bereits schon schon Sonnengelb sind?

Nun, da gibt es nur wirklich die harten Mittel, um das wieder ins Reine zu bringen. Als erfolgreich hat sich dahingehend das Wasserstoffperoxid erwiesen. Doch bevor wir das nun weiter vertiefen ud auch mehr zu diesem Thema schreiben, was ganz wichtiges:


Wasserstoffperoxid ist eine gefährliche Chemikalie, welche nur unter sehr bestimmten Bedingungen verwendet werden sollte: Bitte IMMER Schutzhandschuhe und Schutzbrille benutzen! Kontakt mit der Haut, Augen und Schleimhäuten ist zu vermeiden! Bitte verbrauchtes H2O2 nicht in den Abfluss entsorgen! Bitte beachtet auch unten auf der Seite nochmals meine Sicherheitshinweise und den Link zu einem Datenblatt zu Wasserstoffperoxid. Das Zeug ist wirklich gefährlich!!!


Ich habe also, um das ganze mal als Grundlage und vor allem Erfolgsbeweis dieser Methode mal an einer wirklich "sonnengelben" Amiga 500 Tastatur ausprobiert. Es folgen also nun dazu mal ein paar Bilder, die wiedergeben sollen, wie so eine Aktion laufen kann.

Was wir brauchen ist erstmal folgendes:
- ein ausreichend großes Gefäß aus Glas oder Kunststoff und was zum abdecken
- destilierstes Wasser
- 30%ig Wasserstoffperoxid
- Teile zum bleichen
- Zeit

Als erstes habe ich mal eine Amiga 500 Tastatur genommen. So sieht sie im Moment noch aus: vergilbte A500 Tastatur vergilbte A500 Tastatur vergilbte A500 Tastatur
Ich denke, die Bilder sprechen wohl für sich. Das war wohl mal ein Amiga 500, welcher sich wirklich in der Sonne gebadet hat.

Als erstes muss die Tastatur komplett zerlegt werden. Die Tasten kann man einfach mit einem flachen mittelgroßen Schraubendreher abhebeln. Bitte auf die kleinen Federn achten, diese springen schnell raus und sind nachher noch sehr wichtig. am besten legt man diese in eine Schale zur Seite. Die abgemachten Tasten kommen nun in ein Gefäß, in dem man ca. 1/3 bis 1/2 voll mit Wasserstoffperoxid macht und den Rest mit destiliertem Wasser auffüllt. Da die Tasten nun oben schwimmen sollte man zum einen die Abdeckung nun drauf legen, damit zum einen weder etwas in die Lösung reinkommt, noch was raus fällt. Das ganze stellen wir nun für ca. 1 Woche an eine helle (kann gerne draußen sein) gut belüfteten Ort auf, an dem auch davon ausgegangen werden kann, das keiner dran kommt. Innerhalb dieser Woche sollte man täglich einmal das ganze etwas umrühren. Bitte immer die oben genannten Sicherheitshinweise beachten.

Während also die Tasten ihr Bleichbad genießen, können wir den Tastaturträger auch gleich reinigen. Dazu zerlegen wie die Tastatur noch weiter, soweit wie eben möglich. Der nun übrig gebliebene schwarze Kunststoffträger kann man Problemlos mit einem Reiniger (ich empfehle Mucasol von Merck) und einem großen Pinsel (1" breit, Borsten) großzügig mit dem Reiniger einpinseln, ein paar Minuten einwirken lassen und dann unter fließendem Wasser abspülen. Das ganze dann schön abtrocknen und zur Seite legen und vor dem Zusammenbau noch 1-2 Tage trocknen lassen. Ich habe das ganze mal im Bild festgehalten:

vor der Reinigung vor der Reinigung
So sah unser Tastaturträger vor der Reinigung aus. Wirklich einfach nur dreckig und versaut. Ein wirklich sehr schlechter Zustand, aber für unser Experiment das ideale Versuchobjekt.

und wieder sauber und wieder sauber und wieder sauber

und nach der Reinigung. Kaum wiederzuerkennen, aber es ist der selber Tastaturträger. Nur diesmal richtig gereinigt und wieder fit für den nächsten Einsatz in einem Amiga 500

Nach nun einer Woche der Tasten in der Lösung, sollte nun das Ergebnis schon sichtbar sein. Nun heißt es die Tasten aus der Lösung rausholen, dazu empfehle ich, das verbrauchte Wasserstoffperoxid in einem geeigneten Gefäß zur Entsorgung umzuschütten. Die noch in dem ersten Behälter befindliche Tasten nun am besten unter fließendem Wasser abspülen, zur Sicherheit ruhig mehrmals.

Anschließend sind die Tasten nun abzutrocknen. Nach dem diese vollkommen getrocknet sind, können diese wieder auf dem Tastaturträger (Federn nicht vergessen!) aufgeclipst werden. Idealerweise hat man eine zweite Amiga Tastatur oder Fotos gemacht, um zu sehen wo welches Taste nun hin muss. Wenn alles erfolgreich gelaufen ist, sollte nun eure Tastatur so aussehen:

vergilbte Taste vergilbte Taste vergilbte Taste vergilbte Taste vergilbte Taste

Ja, es handelt sich wirklich um die gleiche Tastatur, wie sie auf den Anfangsbildern zu sehen ist. Eine Woche und etwas arbeit, haben aus diesem wirklich hässlichem und unansehenlichen Teil wieder eine fast neue Tastatur werden lassen. Ja, so kann Sie wieder auf ihren nächsten Einsatz vorbereitet, eingebaut werden. Ich habe diese Tastatur in meinem Amiga 500 "Arbeitstier" eingesetzt. Sieht wirklich aus wie neu!

Man liest immer wieder, das durch diese methode der Kunststoff auch beschädigt werden soll. Ich kann dieses bisher nicht bestätigen. Die Tastatur fühlt sich nach wie vor gut an, der Kunststoff ist weder spröde noch rissig geworden. Bei größeren Gehäuseteilen empfehle ich aber trotzdem danach eine Reinigung mit einem Kunststoffpfleger, dieser gibt dem Kunststoff wieder den alten Glanz zurück.

Wie gesagt, diese Methode habe ich schon mehrmals erprobt, werde auch in Zukunft nochmals einige Bilder von solchen Bleichaktionen einstellen, um zu zeigen, das diese Methode durchaus erfolg hat.


Nochmals zur Sicherheit:

Ich kann KEINE Verantwortung weder für den Erfolg noch für den Umgang mit Wasserstoffperoxid übernehmen. Bitte beachtet die von mir genannten Sicherheitshinweise ebenso wie die auf dem Sicherheitsdatenblatt (PDF-File) zu Wasserstoffperoxid ausgewiesenen Hinweisen und Anleitungen! Wasserstoffperoxid (kurz: H2O2) ist kein Kinderspielzeug!!!!