Background Infos zu Sammelbestellungen


Wer es auf a1k.org schon mitbekommen hat, so führe ich in regelmäßigen Abständen schon mal Sammelbestellungen durch, um den Bedarf an seltenen und schwer zu besorgenden Amiga Bauteilen hier in Deutschland, aber hauptsächlich für die User im a1k-Forum, zu decken. Dieses ist eine sehr langwierige und schwierige Sache und ich möchte auf meiner Internet Seite dazu mal schreiben, wie so was abläuft, bzw. was für Aufwand dazu nötig ist um ein paar wenige Amiga User glücklich zu machen. Ich habe das ganze mal anhand eines Beispiels des MAS3507D Chip gemacht, wie er für den MasPlayer benötigt wird geschrieben.

Schritt 1: Feststellen was benötigt wird

Das ist eigentlich der einfachste Schritt, aus verschiedenen Threads, EMails und PMs kommen die benötigten Teile eigentlich wie von selbst. Dazu braucht es keine besonderen Infos. An unserem Beispiel war es halt so, das man auf der Internetseite wenigstens schon mal weiß, welche Typ benötigt wird.

 

Schritt 2: Heraus finden ob es das Teil noch gibt

Das ist schon eine sehr große Aufgabe. Oft sind die Angaben nicht richtig oder nicht ausreichend, die man bekommt, so muss man anhand einiger weniger Informationen (mit Glück gibt es wenigstens ein Bild dazu) die wichtigsten Sachen heraus bekommen: vollständige Teilenummer, welcher Typ und Revision, welches Gehäuse (DIP, PLCC, QFP etc.), Anzahl der Pins sowie das wichtigste, das Datenblatt. Nach dem man sich alle diese Unterlagen besorgt hat (damit ist man in der Regel schon mindestens 2 Stunden beschäftigt), und sich auch in das Datenblatt eingelesen hat, um zu sehen, ob und welche Versionen es von dem Chip mal gegeben hat und welche nun wirklich benötigt wird, hat man schon mal sicher die Teilenummer. In unserem Beispiel war das nun folgende Bezeichnung, die es galt zu ermitteln: MAS3507D-F10 in PLCC Gehäuse. Mit dieser neuen Erkenntnis gehe ich dann als erstes zu meinem ChipBroker. Ein ChipBroker ist nichts anderes wie eine riesige Datenbank, auf der man sich anhand von Teilenummern noch anzeigenlassen kann, ob das Bauteil noch verfügbar ist. oft, so wie auch in unserem speziellen Fall, ist das aber alles außerhalb von Europa, meist in China oder Hong Kong, also sind solche Seiten im besten Fall auf englisch gehalten. In unserem Fall war es das, zumindest wurde es noch gelistet. Das ist schon mal die halbe Miete. nun setzt man ein sogenanntes Requierment ein, also eine Suchanzeige mehr oder weniger, in der man den genauen Typ, ebenso wie Bauweise und benötigte Menge eintragen muss. Diese Suchanzeige wird dann in der Datenbank aufgenommen. Händler, also die ChipBroker, können diese Suchanzeige nun sehen, und werden dann innerhalb einiger Tage dazu Angebote schreiben. Diese Angebote enthalten dann das wichtigste, vor allem den Preis. Bis hierhin sind viele Arbeitsschritte notwendig, also da kann man schon mal einen ganzen Tag für einplanen.

Schritt 3: Preise verhandeln

Die ersten Angebote trudeln dann innerhalb von 2-3 Werktagen ein. Mit viel Glück, auch wegen der Zeitzonen, auch schon mal schneller. So, nun hat man einen Preis, aber das ist noch lange keine 100% Zusage, das das Teil auch in der wirklich benötigten Menge und vor allem in der benötigten Bauform vorhanden ist. Ich lasse mir, nachdem ich die Angebote (meist zwischen 30 und 100 Stück) schon mal grob sortiert habe zwischen Bezahlbar und total überteuert, erstmal Fotos des Bauteils zusenden, was angeboten wird. Auch mehrmaliges Nachfragen per EMail (immer mit mindestens einem Tag Versatz) führt dazu, das die Händler sagen, ja wir haben es, und wenn man dann aufs Foto schaut, ist es dann doch wieder was anderes. Nun, nachdem auch diese Schritte alle abgearbeitet sind, und man das Bauteil verfügbar ist, geht es zur nächsten Runde: Preise verhandeln. Was ist der Einzelpreis? Wie sind die Staffelungen? Mengenrabatte? Mit welchem Logistikunternehmen wird versendet? Wie hoch sind die Frachtgebühren? Wieviel Gebühren muss ich für das bezahlen beim Händler bezahlen? Wie kann ich bezahlen? Wie hoch sind meine Bankgebühren? In unserem Fall, war es so, das mir mehrfach der MasChip im PLCC Gehäuse zugesichert wurde.

Erst wenn diese Preise alle bekannt sind, kann man dann weiter filtern, welcher Händler hat realistische Preise und welcher nicht. Und dann muss auch noch sichergestellt werden, das der Händler kein Betrüger ist, dazu verlange ich neben der normalen Adresse (kann man dann im Internet überprüfen) auch noch die Firmeninternetseite (weil ja alles eCommerce ist, haben das die Händler im normal Fall alle). Und erst wenn das alles sicher und plausibel erscheint, werden die Preise berechnet. Das geht dann wie folgt:

Hier anhand des MasChips:

Händlerpreis in USD 8,04 USD / Stück
Umrechnen auf Euro (dann immer auf die Gesamtsummer gerechnet!) 433,35 Euro
dann 19% Einfuhrsteuer addieren + 101,65 Euro
dann sämtliche Gebühren, wie Fracht, Bankgebühren etc dazu rechnen (alles auf Euro umrechnen) 535 Euro
Gesamtpreis für die Bestellung: 615 Euro
Das durch die Anzahl der erwarteten Bauteile rechen / 75
Das ist dann endlich der erwartete Stückpreis in Euro mit allen Nebenkosten 8,20 Euro
   

So, damit haben wir schon mal den Preis für ein Bauteil. Meist sind mehrere Stunden oder gar Tage nötig, bis alle Informationen da sind, bzw. eingerechnet werden können.

Schritt 4: Sammelbestellung ausrufen

So, der Stückpreis steht, das ist schon die halbe Miete. Nun wird im Forum ein Thread eröffnet, in dem diese Sachen, wie Teilenummer, Preis, Lieferzeit, Mindestbestellmenge sowie Aktionszeitraum und ähnliches festgelegt wird und die einzelnen User dazu aufgerufen sich zu melden mit der gesamten benötigten Stückzahl. Nach einem Tag quillt dann das Postfach über, mit Leuten die Teilweise nur einen brauchen oder mehrere. Nun gilt es das zu sortieren und vor allem die ganzen Daten, wie Name und Adresse, EMail Adresse, Bestellmenge, Nickname sowie die zu bezahlenden Summern in eine Tabelle zu übertragen. Nach Abschluss des Aktionzeitraumes, muss nun jeder angeschrieben werden, damit er dann die festgelegte Summe überweisen kann. Dazu mache ich immer einen Schrieb fertig, den ich dann an alle Personen versende. Nun muss das Konto beobachtet werden wer schon bezahlt hat und wer nicht, dieses wird dann ebenfalls in die Tabelle übertragen. Sowie alle bezahlt haben, kann ich dann meinem auserwähltem Händler das "OK" zu Bestellung geben. Anschließend überweise ich dann den Betrag ins Ausland und warte auf die Lieferung, was in der Regel ein bis zwei Wochen dauern kann.

Schritt 5: Die Teile sind da!

Meist bekomm ich dann Besuch von einem speziellen DHL Service, der auch gleich die fällige Einfuhrsteuer in Höhe von 19% des Warenwertes kassiert. Dann werden erstmal die Teile einer Kontroller unterzogen, ob es auch alles und vor allem auch die richtigen Bauteile sind. Ein kleines Foto der Waren sowie ein kleiner Bericht dazu im Thread macht sich sehr gut.

Schritt 6: Einpacken

Nun muss die Ware abgezählt werden und in passende Verpackungen gesteckt werden, sowie die richtige Adresse aufgeklebt werden. Dann geht es auf zur Post und das warten, ob die "Kunden" dann auch mit der Ware zufrieden sind.

Wie Ihr seht, ist das ganze doch sehr Zeitaufwendig und nicht so einfach.